Zwischen Tränen und Zuversicht – die Lebenshilfe Sinzig kämpft um ein neues Zuhause
Ulrich van Bebber
Vorstand der Lebenshilfe Kreisvereinigung Ahrweiler e.V.
März 2025
Das Hochwasser kam wie eine Sintflut über das Lebenshilfehaus in Sinzig und riss innerhalb weniger Stunden den vertrauten Alltag fort. Niemand hätte je gedacht, dass das Wasser das Wohnheim erreichen könnte, war es doch selbst beim sogenannten Jahrhunderthochwasser 2016 verschont geblieben. Umso größer war das Entsetzen, als in der Nacht auf den 15. Juli 2021 das gesamte Erdgeschoss überflutet wurde und zwölf Menschen auf tragische Weise ihr Leben verloren.
In den Wochen danach herrschten unbeschreibliches Chaos, tiefe Verzweiflung und lähmende Trauer. Viele Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Lebenshilfe litten unter schweren seelischen Erschütterungen. Da es sich um eine kleine Einrichtung handelt, in der alle fast wie in einer Familie zusammenleben, war rasches Handeln mitten in diesem Ausnahmezustand unerlässlich. Einige Bewohnende fanden kurzfristig Zuflucht bei Verwandten, andere benötigten dringend eine neue Bleibe. In einem leerstehenden Hotel auf der anderen Rheinseite richtete die Lebenshilfe eine Notunterkunft ein, und gleichzeitig wurde fieberhaft nach Möbeln, Kleidung und Hilfsgütern gesucht.
Die Welle der Hilfsbereitschaft, die nun folgte, gab der Lebenshilfe in all ihrem Schmerz neue Zuversicht: Freiwillige halfen tatkräftig beim Aufräumen, unterstützten beim Umzug oder leisteten finanzielle Spenden. Dieses Gefühl, nicht allein zu sein, wirkte inmitten der Verzweiflung unglaublich stärkend. Doch bald zeichnete sich ab, dass ein längerer Aufenthalt im Hotel nicht möglich war, da die Räumlichkeiten nicht barrierefrei waren. Letztlich konnte die Lebenshilfe zwei etwas außerhalb gelegene Einrichtungen in Remagen und in Mendig finden, die den Bewohnerinnen und Bewohnern vorübergehend ein Dach über dem Kopf boten.
Gleichzeitig entstand eine drängende Frage: Wie würde es mit dem ursprünglichen Lebenshilfehaus in Sinzig weitergehen? Für viele war es ein Zuhause, ein Ort voller Lebensfreude, eingebettet ins städtische Miteinander. Umso größer war der Wunsch, den Menschen wieder ein inklusives Leben im Herzen der Stadt zu ermöglichen. Deshalb begann die schwierige Suche nach einem passenden Grundstück – ein Weg, der sich als viel länger und steiniger herausstellte, als jemals vermutet. Erst vor wenigen Wochen gelang es schließlich, ein geeignetes Grundstück zu finden.
Von außen mag die Flutkatastrophe mittlerweile wie ein Ereignis der Vergangenheit wirken. Doch sie hat tiefe Wunden in der Landschaft und in den Herzen der Menschen hinterlassen. Für die Lebenshilfe ist der Verlust bis heute allgegenwärtig und begleitet den Alltag wie ein schwerer Schatten. Dennoch versucht die Einrichtung, nach vorne zu blicken und allen Beteiligten wieder Mut zu geben. Mit dem neu gefundenen Grundstück zeichnet sich endlich eine greifbare Perspektive ab: In zwei bis drei Jahren soll ein neues Lebenshilfehaus entstehen – ein Ort, an dem die Bewohnerinnen und Bewohner erneut ein liebevolles Zuhause finden und ihr Leben in Sinzig mit Zuversicht gestalten können.